Musikbranche
veröffentlichte Music Clips zeigen
im Hintergrund immer mehr Motor
Tuning

Sofern man zu den
Glücklichen gehört, die auf MTV auch ab und zu – abseits
belangloser Zeichentrickserien und die menschliche Intelligenz
beleidigender Showformate – auch tatsächlich noch ein
Musikvideo sehen, dann wird man erkennen, dass dicke,
aufgemotzte Karren sich in Video Clips immer noch ungebrochener
Beliebtheit erfreuen. Nur allzu wohl kennen wir die Bilder von
vermeintlich kriminellen Musikern, die neben einem Trupp
halbnackter Damen auch gerne mittels Motor Tuning
aufgemotzte Karossen nutzen, um ihre
musikalische Botschaft bildhaft zu unterstreichen. Posen wie
jene, dass ein mit Goldzähnen bespickter Gangster vor der
Motorhaube seines Porsches mit Geldscheinen um sich wirft,
während Stripperinnen sich an seinen überweiten Hosen
reiben, scheinen heute immer noch zum Standard im Musik
Business zu zählen.
Da fällt es – auch wenn die Autos mitunter recht hübsch sind –
auch gar nicht mehr so schwer ins Gewicht, wenn man derartige
Clips nun etwas seltener zu sehen bekommt (auch wenn die
Formate, auf die MTV nun ausweicht, auch nicht gerade der
Bringer sind). Außerdem wäre es doch sehr viel schöner, wenn
man wenigstens auch mal ein paar Altmeister der Automobile zu
Gesicht bekommen könnte. Müssen es denn immer die
Hochglanzkarossen modernen Typs sein? Warum will man den
Zuschauern nicht einmal das Glück der Nostalgie gönnen und
zeigt stattdessen einen Renault Alpine? Sicherlich bietet doch
auch Renault Tuning an den eigenen Fahrzeugen
an. Und was wird einem Motorsportkenner eher die
Freudentränen in die Augen treiben als ein alter Ford GTO
oder ein 68er Pontiac Firebird? Mit solchen Karossen im
Hintergrund könnte man überdies nicht nur die saudummen
Lieder und jugendgefährdenden Texte verzeihen. Es würde auch
die darniederliegende Autoindustrie unterstützen. Noch
besser wäre es natürlich, wenn jene musizierenden
Elendsgestalten Mut zur Selbstironie aufbringen und vor
einem Fiat 500r posieren würden. Dann könnte man ihre
musikalischen Ergüsse auch mit einem Augenzwinkern
quittieren. So würden ihre, ohnehin nicht so
ernstzunehmenden Botschaften, auch nicht so augenscheinlich
ernst rüberkommen und man würde ihnen die Schwere Aufgabe
ersparen, wenigstens für das Fernsehen annehmbare Musik
nebst Video Clip zu produzieren. Doch ehe die Music News der
verantwortlichen Sender derartiges Umdenken melden können,
muss die Menschheit wohl noch weiter reifen.
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